Pferdgestützte Therapie der kindlichen Aggression

Eingebettet in eine Gesamtstrategie im multiprofessionellen Team mit Lehrern, Eltern, Sozialarbeitern und Erziehern, eignet sich die Verhaltenstherapie unter Einbeziehung eines Pferdes gut zur Implementierung einer emotionalen Selbst- und Fremdwahrnehmung und zur Einübung sozialen Verhaltens bei dissozial und gewaltbereit agierenden Kindern bis zum 12. Lebensjahr.

Das Pferd wird für zwei Sitzungen einbezogen als Vorbild, Verstärker für adäquates Alternativverhalten und wertfrei agierendes Bezugsobjekt zur Förderung der emotionalen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Dem zuvor in seinem individuellen Aggressionsverhalten explorierten Kind wird erlaubt, Bhajan mit den gewaltorientierten Methoden zu bewegen, die es auch anwendet, um andere Kinder zu unterwerfen, dabei aber vorsichtig zu sein, nicht verletzt zu werden. Das westerntrainierte Pferd kennt keine grobmotorische Einwirkung als Hilfe zum Seitwärtstreten und ist daher von Kinder unter 40 kg nicht durch Schubsen, Drücken, Hauen oder Treten zu bewegen, sondern stoppt sie mit Dominanzverhalten. Dem Kind wird dann erlaubt, Methoden zu verwenden, die es bei einem besten Freund anwenden würde, bevor es das Pferd wieder zu bewegen versucht, es freundlich zu bitten und zu streicheln. Daraufhin reagiert das Pferd mit Seitwärts- und Rückwärtstritten auf leichteste Fingerzeige und Berührungen. Für die Kinder ist dieser Moment ein bedeutendes Aha-Erlebnis. Dem Kind wird dann erlaubt, mit dem Pferd zu spielen. Dieses läuft oft vom Kind fort, kommt aber auf Zuruf zurück, läßt sich streicheln und füttern, führen und durch vorsichtige Berührungen bewegen, wodurch sich die Beziehung zwischen Pferd und Kind festigt. Dies wird verbal verstärkt.
Wir experimentieren dann mit den dissozialen Verhaltensweisen des Kindes wie drohen, wüten, stehlen. Das Pferd vermeidet dann den Kontakt, ignoriert das Kind oder agiert impulsiv mit Kopfschütteln und stampfen, beruhigt sich sofort bei sozialen Verhaltensweisen und wird wieder kooperativ. Das Kind lernt so, die emotionale Kommunikation und die Konsequenzen dissozialen Verhaltens einsichtig zu steuern. Dies wird begleitend verbal validiert, verstärkt und auf den Alltag transferiert. Das Kind lernt über das Füttern des Pferdes den bindungsstärkenden Effekt altruistischen Verhaltens.
Es wird verabredet, die erlernten Strategien für eine bestimmte Zeit mit anderen Kindern anzuwenden, dann dürfe es reiten.

In der zweiten pferdgestützten Sitzung reitet das Kind das am Langstrick geführte Pferd mit Voltigiergurt und Helm in der Natur im Slalom um Bäume, über Hügel und Unterholz. Das Kind dankt dem Pferd und mir oft dabei, steuert und lobt uns, lernt so Teamwork und soziale Kompetenz. Die Selbstwertstärkung durch das gemeinsam bestandene Abenteuer ist besonders für Stadtkinder enorm, soziales Verhalten wird dadurch widerstandslos erlernt und im weiteren Verlauf meist motivierter umgesetzt.